Im Rückblick: Erfolgreiches Integrationscamp der hessischen Wirtschaft

Dirk Pollert: „Wirtschaft vielfältig engagiert und mit hohem Tempo unterwegs“

Am 2. Integrationscamp der Wirtschaft (ICW) zogen Dr. Frank Martin, Leiter der Regionaldirektion Hessen der Bundesagentur für Arbeit (BA), und Dirk Pollert, Hauptgeschäftsführer der Vereinigung der hessischen Unternehmerverbände (VhU), eine erste Bilanz und stellten ihre Diagnosen und Prognosen zur Flüchtlingsintegration vor.

Beispiele aus der Praxis präsentierten die beiden Großunternehmen Siemens und Fraport.

Wirtschaft und Arbeitsagentur waren sich einig: „Die hessischen Unternehmen legen bei der Integration in Arbeit ein gutes Tempo vor. Denn sämtliche Erfahrungswerte aus vergangenen Migrationswellen zeigen: Erfolgreiche Integration dauert im Durchschnitt fünf Jahre. Auf dem vor uns liegenden Integrationsmarathon sind wir bei einer Stecke von 43 Kilometern also gerade mal bei Kilometer acht angelangt.“

Dr. Frank Martin, Leiter der Regionaldirektion Hessen, machte erneut deutlich, dass bevor Geflüchtete überhaupt den hessischen Arbeitsmarkt erreichten, sie zunächst die Hürden der Einreise, des Asylverfahrens und der Integrations- und Sprachkurse überwinden müssten. Prozesse die Zeit dauerten und sich bis zu zwei Jahren hinziehen könnten. Von den zwischen 2014 bis 2016 nach Hessen eingereisten Flüchtlingen, kämen 43 Tausend Personen kurz- bis mittelfristig für eine Erwerbstätigkeit in Betracht. Nach Abschluss der Sprach- und Integrationskurse erreiche ein Großteil dieser Geflüchteten den hessischen Arbeitsmarkt voraussichtlich bis Herbst 2017. Allerdings signalisierten sowohl die beruflichen Kenntnisse, als auch die bisherigen Abgänge in Arbeit, dass weiterhin intensiv in die berufliche Bildung dieses Personenkreises investiert werden müsse, um Helferberufe langfristig zu vermeiden.

"Es zeigt sich sehr deutlich, dass man auch nach zwei Jahren die Hände nicht in den Schoß legen kann. Die Integration dieser im Durchschnitt sehr jungen Einwanderergruppe, die fast noch ein ganzes Arbeitsleben vor sich hat, ist ein langfristiges Projekt: Von den Schulen, über die Berufsausbildung bis hin zu Qualifizierungsmaßnahmen der Agenturen für Arbeit. Eine Investition, die sich lohnt, die aber auch Zeit braucht. Schnelle Lösungen sind wünschenswert, aber nur in Einzelfällen zu realisieren. Das Gros der Geflüchteten muss in die Lage versetzt werden einen Job zu finden, der längerfristig das Existenzminimum sichert und die Abhängigkeit von Sozialleistungen beendet", so Martin.

„Was die Wirtschaft – im Angesicht des sich verschärfenden Fachkräftemangels – immer wieder forderte, war die gesteuerte Zuwanderung von gut ausgebildeten Fachkräften. Was wir 2015 bekommen haben, war eine politisch gewollte ungesteuerte Zuwanderung von Flüchtlingen, die die üblichen Arbeitsmarktkriterien in den seltensten Fällen erfüllen“, stellte VhU-Hauptgeschäftsführer Dirk Pollert klar. Dennoch habe die Wirtschaft von Anfang an das Beste aus der Situation gemacht und bereits sehr früh sehr viel getan, um die Flüchtlinge schnellstmöglich in Ausbildung und Arbeit zu integrieren. Viele hessische Unternehmen hätten Möglichkeiten gefunden, intelligent mit den unterschiedlichen Qualifikationsniveaus der Zugewanderten umzugehen. „Dabei stellen sie sich auf ganz unterschiedliche Weise den enormen Herausforderungen, die vor uns liegen. Siemens geht die Integration in Arbeit mit der typisch systematischen Herangehensweise eines Großkonzerns an. Fraport hingegen engagiert sich über die Initiative „Berufliche Integration von Flüchtlingen in Frankfurt Rhein-Main“ (BIFF) innerhalb eines kooperierenden Netzwerks verschiedener Unternehmen. Die Social Start-ups Stitch by Stitch und Code Door fokussieren konsequent auf die Stärken, die eine Gruppe von Flüchtlingen mitbringt“, berichtet Pollert. „Die VhU ist über das Bildungswerk der hessischen Wirtschaft aber auch selbst tätig. ‚Wirtschaft integriert“, die ‚Willkommenslotsen‘, ‚First Step‘ und der ‚International Carrer Guidance‘ sind nur vier Projekte des umfassenden Angebots.“

„Nach dem Prinzip ‚Jeder das, was er kann‘ können Unternehmen mit der Integration in der Arbeitswelt eine Grundlage zur Integration in der Gesellschaft schaffen“, zeigte sich Michael Müller, Personalvorstand und Arbeitsdirektor bei der Fraport AG, überzeugt. „Damit dies langfristig erfolgreich ist und eine breite Akzeptanz findet, müssen die Maßnahmen zur Integration die regulären und bewährten Strukturen der Ausbildung nutzen. Sonderprogramme mit reduzierten Anforderungen an Einstiegsvoraussetzungen, Qualifizierungsinhalte oder Abschlüsse würden keinen nachhaltigen Erfolg haben.“

Barbara Ofstad, zuständig für Human Ressources Learning and Education bei der Siemens AG, Region Südwest in Frankfurt, freute sich, dass die Bemühungen in ihrem Unternehmen bereits Früchte tragen: „Durch unsere Ausbildungsvorbereitungsklassen haben wir in den letzten zwei Jahren über 160 geflüchteten Jugendlichen den Weg in ihr Berufsleben ein Stück weit ebnen können. Darauf sind wir stolz.“

Ausführliche Informationen zu dem Integrationscap finden Sie unter www.vhu.de.

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